Fellbacher Adventskalender

18. Dezember 2020

Der kleine Engel, der Stall und das Stroh


Es ist ein Tag, lange vor unserer Zeit, irgendwo im Himmel.
Diese Geschichte möchte ich Dir erzählen.


Zuerst stelle ich Dir jemanden vor.
Das ist er. Er heißt Malik.
Malik ist tatsächlich ein richtiger, waschechter, kleiner Engel.
Heute ist er ganz besonders aufgeregt,
denn gleich bekommt Malik seinen ersten Arbeitsauftrag
vom Erzengel Gabriel.
Er ist sehr gespannt was für ein Auftrag es sein wird.
Oh schau`!… da kommt der Erzengel Gabriel!
„Guten Tag, Malik. Gut, dass Du wie ausgemacht hier bist.
Ich bringe dir deine erste Aufgabe. Dein Auftrag lautet:
Suche bitte einen Stall. Die Größe ist zweitrangig:
ausreichend ist Platz für eine handvoll Leute.
Die Ausstattung: Stroh, damit ein einfaches Lager
als Ruheplatz bereitet werden kann.
Gott möchte der Welt in diesem Stall ein großartiges Geschenk
machen und sich selbst und seine große Liebe den Menschen zeigen.“
„Gabriel, warum benötigt es Stroh, wenn es doch ein so großes Geschenk ist?
Wären da nicht, samtig weiche Decken und watteweiche Kuschelkissen besser?“, fragt Malik
„Nein, das hört sich zwar großartig an, ist an dieser Stelle jedoch unerwünscht.
Und… Malik…
Es eilt! Du mußt Dich sehr mit der Erfüllung der Aufgabe beeilen,
denn Maria, die bedeutend an der ganzen Sache mit dem Geschenk
beteiligt ist und Josef ihr Mann, sind bereits unterwegs.“
„Wieviel Zeit habe ich?“ fragt Malik nach.
„Es verbleibt höchstens noch ein Tag oder
vielleicht auch nur ein paar Stunden um
einen passenden Stall zu finden. Also, los geht’s!“


Malik, der kleine Engel, fliegt so schnell er kann los
und kommt auf der Erde an. Er landet vor der Stadtmauer der Stadt Bethlehem.
„So, angekommen! Dann mache ich mich jetzt schnellstens an die Arbeit.“
Malik dreht sich hin und her und schaut sich um.
„Was ist denn das da hinten für eine Hütte?
Da fliege ich jetzt schnell mal hin.
Bitte drückt mir die Daumen, dass das vielleicht ein Stall ist.“
Malik kommt bei der Hütte an. Er öffnet die schwere hölzerne Tür und tritt ein.
Das sieht hier prima aus. Ich finde, das ist ein guter Stall.
Juhu! Aufgabe gelöst!“
Doch da wird Malik bewusst, dass da noch ein zweiter Teil bei der Aufgabe ist.
Genau! Der Stall ist gefunden, doch WO, ist das Stroh!
Maliks Freude verwandelt sich in Enttäuschung.
Wo soll er das Stroh herbekommen?
Die Felder sind alle abgeräumt.
Nirgendwo gibt es Stroh.


Da huscht ein winziges Mäuschen herein.
Es fragt.“ Was stimmt dich so verzweifelt?“
Malik antwortet: „Ich brauche für den Stall Stroh.
Gott möchte der Welt in diesem Stall
ein großartiges Geschenk machen.
Wofür er das Stroh genau braucht, weiß ich nicht,
doch es ist Teil meiner Aufgabe, die ich versprochen habe zu erfüllen.“
„Ich will dir behilflich sein. Ich werde alle meine Freunde fragen,
ob sie Stroh aus ihren Nestern, Höhlen und Ställen bringen können“,
sagt das Mäuschen und springt eilig davon.
Malik bleibt alleine im Stall zurück.


Nach einer Weile hört er wieder das Rascheln.
Das Mäuschen kehrt zurück in den Stall.
In seinen Pfötchen hält es soviel Strohhalme,
wie es nur auf einmal tragen konnte.
Das Mäuschen legt das Stroh ab und fiepst:
„Ich habe überall Bescheid gesagt.
Jetzt müssen wir hoffen und beten, dass es klappt.
Aber jetzt bin ich erstmal müde und muß ein Schläfchen halten.“
Das Mäuschen zieht sich in eine Ecke des Stalles zurück um sich
auszuruhen.


Malik ist gespannt. Und kurze Zeit später kommen sie an.
Zuerst kommt eine Katze in den Stall und bringt einen Beutel mit Stroh.
Bellend springt ein Hirtenhund herein, gefolgt von Janne, dem Hirtenbub.
Dieser hat seinen großen Rucksack voll mit Stroh gepackt.
Ein Adler fliegt über den Stall hinweg und wirft einen Sack Stroh ab.
Dann kommen die Tiere aus dem Wald.
Ein Hase, ein Fuchs, ein Reh und die gute alte Eule. Alle bringen Stroh mit.
Der Stall füllt sich immer mehr mit Stroh.
„So wird es recht werden“, denkt Malik.
Und noch einmal hört Malik eine Tierstimme.
Ein Ochse kommt und schiebt vor sich eine prall mit Stroh gefüllte Kiste her.
Immer wieder stupst er mit seiner Schnauze gegen die Kiste und
treibt diese so vor sich her, bis er im Stall angekommen ist.
Jetzt ist der Stall reichlich mit Stroh gefüllt.


Nun kann Gott der Welt sein großartiges Geschenk machen.
Dieses Geschenk ist das größte Geschenk das es überhaupt gibt auf der ganzen Welt.
Ein Geschenk für den Frieden und voll unendlicher Liebe.
Der kleine Engel ist froh, dass die Aufgabe gerade rechtzeitig erfüllt ist.
Er hört nahende Schritte und Hufgeklapper.
„Jetzt kommen sie, sagt Malik.
In diesem Augenblick öffnet sich die Stalltüre und
Maria und Josef treten ein.
Sie haben ihren Esel dabei.
Der Esel gesellt sich gleich mit einem frohen i-aa
zu den anderen Tieren.
Maria und Josef setzen sich müde auf das aufgeschüttete Lager aus Stroh.
Lange waren sie unterwegs.
Maria hat einen ganz dicken Bauch. Sie ist schwanger.
Malik ist sich sehr sicher, bestimmt will das kleine Baby bald heraus.


Es ist Abend geworden und die Dunkelheit hüllt den Stall ein.
„Gute Nacht“, flüstert Malik leise.
Nach dem Abend kommt die Nacht, im Stall schläft niemand.
Alle sind wach, denn hier ist in der Zwischenzeit das großartige
göttliche Geschenk der Liebe angekommen! Jesus ist geboren.
Jesus ein ganz besonderes Kind - Gottes Sohn. Das ist schön!
Und… er liegt in ein Tuch gewickelt im Stroh.
Durch die Ritzen zwischen den Holzlatten dringt ein heller Lichtschein in den Stall hinein. Der
kommt vom Weihnachtsstern, der als Zeichen für die besondere Geburt über dem Stall
aufgegangen ist. Und wenn Du genau hinsiehst, dann taucht er das Stroh in ein schimmerndes,
goldenes Licht.
Gut, dass Malik mit Hilfe der Tiere das Stroh in den Stall brachte.
Wer weiß, wie die ganze Geschichte sonst ausgegangen wäre!?

Und deshalb singen wir heute und allezeit: „Da liegt es das Kindlein auf Heu und auf Stroh“,
weil seit der Heiligen Nacht das Stroh nicht nur in jeden Stall, sondern auch zur Krippe und
zu Weihnachten gehört.
                                              
                                                      „Der kleine Engel und der Stall und das Stroh“
                                                                                                        Brigitta Otterbach
                                                                                                            Dezember 2020